Seite 18

Typus
Bauernopfer
Quelle
Mühleisen 1973b
Dissertation:
Seite: 018, Zeilen: 10-16, 21-22, 29-31, 103-108
 
Fundstelle:
Seite(n): 077; 078; 089, Zeilen: 37-44; 15-18, 29-34; 05-06, 08-11, 17-20, 25-29
 
[Z. 10-16]

So konnte durch eine Reihe von Untersuchungen gezeigt werden, daß Führungspersönlichkeiten sich in der Tat deutlich von anderen Organisationsmitgliedern unterscheiden, allerdings weniger durch persönliche Eigenschaften und Qualifikationen, die häufig für typische Führungsmerkmale gehalten werden, wie rhetorische Begabung, Engagement und Intelligenz, als vielmehr durch ihre Stellung im organisationsinternen Kommunikationsprozeß, d. h. vor allem durch die Häufigkeit, mit der sie Informationen beziehen und vermitteln19.

[Z. 21-22]

Führer scheinen in Krisenzeiten generell einen größeren Einfluß auf ihre Organisation und deren Mitglieder ausüben zu können als in Nichtkrisenzeiten20.

[Z. 29-31]

Wenn sich die starke Stellung von Parteiführern aber wesentlich durch die von ihnen erwartete Krisenbewältigung bzw. die erfolgreich durchgeführten Wahlen erklärt, dann wäre umge-[kehrt zu untersuchen, unter welchen Bedingungen es ihnen gelingt, trotz verlorener Wahl im Amt zu verbleiben22.]


19 siehe dazu vor allem Alex Bavelas, Leadership: Man and Function, in: Administrative Science Quarterly, Nr. 4, 1960, S. 492 ff; vgl. auch Moos/Koslin, Prestige Suggestion and Political Leadership, in: Public Opinion Quarterly, Nr. 16, 1952, S. 77-93; Warner W. Burke, Leadership Behavior as a Function of the Leader, the Follower, and the Situation, in: Journal of Personality, Nr. 33, 1965
20 Robert L. Hamblin, Leadership and Crisis, in: Sociometry, Nr. 21, 1958, S. 322
[Seite 77, Z. 37-44]

Bavelas warnt zu Recht davor, daß die untersuchten Führereigenschaften oft mehr Ausdruck davon seien, was die Forscher für Führerqualitäten hielten.130 Dennoch hätte eine Reihe von Untersuchungen ergeben, daß "Führer" sich signifikant von "Nichtführern" unterschieden, allerdings nicht durch persönliche Eigenschaften wie Rechtschaffenheit, Mut oder Intelligenz, dagegen z. B. hinsichtlich der Häufigkeit des Aussendens oder Empfangens von Informationen. [Bavelas meint, daß die persönlichen Führungsqualitäten131 bei der Entwicklung der Organisationen immer mehr an Wichtigkeit verlören zugunsten der Fähigkeit, die effektive Operationalität des Entscheidungssystems, welches das Management der Organisation einschließt, zu unterhalten.132]

[Seite 78, Z. 15-18]

Als unmittelbar auf die Parteien anwendbares Beispiel dieses situationsbezogenen Ansatzes sei die Arbeit von Hamblin genannt, der experimentell die zwei Hypothesen untersucht: 1. In Krisenzeiten haben Führer mehr Einfluß als in Nichtkrisenzeiten;135 […].

[Seite 78, Z. 29-34]

Andererseits wäre es, von der zweiten Hypothese Hamblins ausgehend, sicher interessant festzustellen, unter welchen Aspekten und mit welchen Methoden Parteiführer trotz einer verlorenen Wahl, d. h. ohne daß sie eine Lösung für die "Krise" gefunden haben, ihr Amt behalten.

[Seite 89, Z. 5-6]

130 Alex Bavelas, "Leadership: Man and Function", in: Administrative Science Quarterly, 4 (1960), 492.

[Seite 89, Z. 8-11 u. 17-20]

132 [Bavelas, Leadership, 497;] demgegenüber betonen Moos/Koslin die "special qualities" unter dem Aspekt der für die Organisation günstigen Zielerreichung (Moos/Koslin, "Prestige Suggestion and Political Leadership", in: Public Opinion Quarterly, 16 (1952), 77-93) [und Marak baut auf diesem Zusammenhang seine im Experiment im wesentlichen nicht widerlegte Hypothese über die positive Korrelation von "Task Ability" und "Leadership" auf (George E. Marak Jr. "The Evolution of Leadership Structure", in: Sociometry, 27 (1964), 174-82). Für beide Richtungen gibt es mehrere Arbeiten, die sich für die Übertragung auf die politischen Parteien anbieten;] vgl. hierzu die Literaturangabe bei Warner W. Burke, "Leadership Behavior as a Function of the Leader, the Follower, and the Situation", in: Journal of Personality, 33 (1965), 62.

[Seite 89, Z. 25-29]

135 Robert L. Hamblin, "Leadership and Crisis", in: Sociometry, 21 (1958), 322: Crise [sic]: "An urgent situation in which all group members face a common threat": man darf annehmen, daß dies zwei Aspekte hat: von seiten der Führung mehr Einfluß für notwendig halten, von seiten der Geführten bereit sein, mehr Einfluß zu akzeptieren.



Anmerkung
Der Verfasser übernimmt abgewandelt Ausführungen von Mühleisen mit Literaturbelegen. Burkes Abhandlung wird noch kurz in Mühleisens Fußnote 134 für ein Experiment zu Führungsproblemen erwähnt. Zu den Fehlern:

– Bavelas' Aufsatz findet sich nicht auf S. 492 ff. (wovon der Leser hier ausgehen muss), sondern auf S. 491 ff. Nicht nachvollziehbar ist zudem, warum der Verfasser den Begriff "rhetorische Begabung" anführt, da dieser weder bei Bavelas noch bei Moos / Koslin oder Burke vorkommt.

– Der Autorenname von Burke ist nicht Warner W. Burke, sondern W. Warner Burke. Auch wird das Seitenintervall seines Aufsatzes weder vom Verfasser noch seiner Quelle genannt. Es ist daher zweifelhaft, ob Ersterem der Aufsatz vorliegt.

– Hamblins Aufsatz hat den Titel Leadership and Crises. Weiterhin findet sich die Hamblin vom Verfasser zugeschriebene Aussage nicht auf S. 322.

– Die Vornamen von Malcolm Moos und Bertram Koslin werden weder vom Verfasser noch seiner Quelle genannt. Auch hier ist zweifelhaft, ob Ersterem der Aufsatz vorliegt.

– Bei den Literaturverweisen gibt der Verfasser statt des Jahrgangs der Zeitschriften eine "Nr." an.

Da in den Fußnoten 18 und 21 auf Mühleisen verwiesen wird, Wertung als Bauernopfer. Fortsetzung auf der nächsten Seite (das Adjektiv "experimentell" findet sich dort beim Verfasser als "empirisch" wieder).
 

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