Seite 10

Typus
Verschleierung / Bauernopfer
Quelle
Köser 1973a / Schmelzer / Becker 1968
Dissertation:
Seite: 010, Zeilen: 01-09, 101-105, 107-108
 
Fundstelle:
Seite(n): 010; 031; 032; 037; 038; 050; 055, Zeilen: rechte Spalte 109-111; 21-26, 39-40; 03-06; 28-34; 05-09; 51; 18, 35-37
 
[Einen anderen Typus politischer Parteien als die bisher genannten Arbeiten stellen die Untersuchungen über die KPdSU und die SED von Boris Lewytzkyj58 bzw. Peter Chri-]stian Ludz59 dar, die beide auf nationaler Ebene die Binnenstrukturen dieser Parteien durch Analyse der Parteibürokratie, der Zentralkomitees und der Parteitage zu ermitteln versuchen. Angesichts der verschiedenartigen Parteitypen und der unterschiedlichen Forschungstechniken muß um so mehr erstaunen, daß hinsichtlich der jeweiligen Partei-Elite durchaus Übereinstimmungen zwischen "pluralistischen" und "zentralistischen" Parteien sichtbar werden. So stellt sich für Ludz die Führungsgruppe der SED durchaus nicht als monolithischer Block dar, er sieht vielmehr eine gewisse Elitenkonkurrenz60, die der Eldersveldschen Stratarchie als quantitativer Machtverteilung pluralistischer Eliten nicht völlig unähnlich ist. [Allerdings muß kritisch angemerkt werden, daß beide Autoren61 das Problem der Abgrenzung der Elite mit Hilfe der nicht unumstrittenen Positionstechnik62 lösen, wobei unterstellt wird, daß die Inhaber institutionalisierter Machtpositionen in der Regel auch den ausschlaggebenden Einfluß auf die Entscheidungsprozesse in ihrem Bereich ausüben.]


59 Peter Christian Ludz, Parteielite im Wandel. Funktionsaufbau, Sozialstruktur und Ideologie der SED-Parteiführung. Eine empirisch-systematische Untersuchung. Köln-Opladen, 3. Auflage 1970
60 ebda, S. 42 ff/S. 324 f; anderer Auffassung sind Eckart Förtsch/Rüdiger Mann, Die SED, Stuttgart 1969, S. 50 ff
[61 wie übrigens auch Valen/Katz und Barnes in ihren Untersuchungen]
62 siehe dazu: J. G. March, An Introduction to the Theory and Measurement of Influence, in: American Political Science Review, 49, 1955, S. 431-451; [Paul Drewe, Sozialforschung in der Regional- und Stadtplanung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 18. Jg., 1966, Heft 1, S. 102-112; Horst Schmelzer/Reiner Becker, Material für eine Analyse politischer Machtstrukturen in Gemeinden, hrsg. von der Politischen Akademie Eichholz, o.O., Mai 1968]
[Köser 1973a, Seite 31, Z. 21-26]

Als exemplarische Studien nationaler Parteiorganisationen seien hier Lewytzkyjs (14) und Fainsods (8) Beschreibungen der KPdSU und SED-Studien von Ludz (17) und Förtsch/Mann (9) genannt. Erstere stellen die Parteibürokratie (14, S. 77 ff.) […] der KPdSU in den Mittelpunkt, letztere die Parteitage und das ZK der SED (17, S. 55 ff. und S. 93 ff.).

[Köser 1973a, Seite 37, Z. 28-34]

Um so erstaunlicher […] ist es, daß Ludz und Eldersveld trotz unterschiedlicher Untersuchungsmethoden hinsichtlich der Partei-Eliten zu gewissen Übereinstimmungen in ihren Ergebnissen gelangen. Beide lehnen die Vorstellung von der Elite als einer homogenen, monolithischen Gruppe ab. Ludz spricht von einer latenten bzw. manifesten Elitenkonkurrenz (17, S. 42 ff.) […].

[Köser 1973a, Seite 38, Z. 5-9]

[Ludz kommt zu dem Ergebnis, daß …] Die SED-Elite könne […] als eine "konsultativ-autoritäre Entscheidungselite" bezeichnet werden (17, S. 324 f.). Der Elitenpluralismus von Eldersveld resultiert aus einer Fülle innerparteilicher pluralistischer Strukturen: […].

[Köser 1973a, Seite 31, Z. 39-40]

Zum Typ der autoritär-zentralistischen Partei zählt Ludz die SED.

[Köser 1973a, Seite 32, Z. 3-6]

Förtsch/Mann bezeichnen dagegen die SED als eine totalitär-zentralistische Partei, in der das Leninsche Organisationsprinzip des "demokratischen Zentralismus" vorherrsche.12

[Köser 1973a, Seite 50, Z. 51]

12 Förtsch/Mann, Die SED, 50 ff.

[Köser 1973a, Literaturverzeichnis Seite 55, Z. 18]

(9) Förtsch, Eckart/Mann, Rüdiger, Die SED, Stuttgart 1969.

[Köser 1973a, Literaturverzeichnis Seite 55, Z. 35-37]

(17) Ludz, Peter Christian, Parteielite im Wandel. Funktionsaufbau, Sozialstruktur und Ideologie der SED-Parteiführung. Eine empirisch-systematische Untersuchung, Köln-Opladen, 3. Aufl. 1970.

[Schmelzer / Becker 1968, Seite 10, linke Spalte]

[Obwohl sich sowohl MARCH als auch SIMON sehr um die Untersuchung der Bedeutung von Machtstrukturen in Entscheidungsprozessen bemüht haben30 …]

[Schmelzer / Becker 1968, Seite 10, rechte Spalte Z. 109-111]

30 Vergl.: March, J. G.: "An introduction to the theory and measurement of influence", in: American Political science Review, 49, 1955, S. 431-451. / […].



Anmerkung
1. Zur Quelle Köser 1973a: Fortsetzung von der Vorseite. – Der Verfasser erstellt seinen Text anhand der Vorlage von Köser, was sich insbesondere an den seitenzahlgenau übernommenen Literaturverweisen zeigt. Eine eigene Rezeption der Literatur ist nicht erkennbar. Ludz' Buch ist zudem nicht in "Köln-Opladen", sondern in Köln und Opladen (im Westdeutschen Verlag) erschienen. Auffällig ist auch, dass der Verfasser bei Förtsch / Mann nur Stuttgart als Erscheinungsort nennt; bei Büchern, die – wie dieses – im Kohlhammer-Verlag erschienen sind, gibt er sonst regelmäßig Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz als Erscheinungsorte an. Keiner der genannten Autoren (inkl. Fainsod von der Vorseite) wird – außer im Literaturverzeichnis – im weiteren Verlauf der untersuchten Arbeit wieder erwähnt.

2. Zur Quelle Schmelzer / Becker 1968: March beschäftigt sich in seinem Aufsatz an keiner Stelle mit der Positionstechnik (engl.: positional approach). Anscheinend greift der Verfasser aus den Literaturverweisen bei Schmelzer / Becker diesen aufs Geratewohl heraus, ohne ihn gelesen zu haben. Bei Drewe, dessen Abhandlung ebenfalls bei Schmelzer / Becker auf S. 7 erwähnt wird, wird diese auf S. 107 in eineinhalb Zeilen lediglich kurz gestreift (weshalb deren Nennung jedoch nicht als regelwidrige Übernahme gewertet wird). Schmelzer / Becker behaupten dabei nicht, dass March oder Drewe sich in diesen Aufsätzen mit der Positionstechnik auseinandersetzten.

Ob Lewytzkyj, Ludz, Valen / Katz und Barnes tatsächlich die Positionstechnik verwenden – deren Essenz der Verfasser oben zutreffend wiedergibt –, sei dahingestellt; bzgl. Barnes gibt es von den genannten Autoren die stärksten Zweifel, ob er ihn im Original rezipiert hat (s. dazu Seite 9 bzw. Seite 113).