Seite 25

Typus
Verschleierung
Quelle
Mühleisen 1973a
Dissertation:
Seite: 025, Zeilen: 01-20, 101-102
 
Fundstelle:
Seite(n): 019; 020; 027, Zeilen: 17-39, 43-44; 01-07; 32-33
 
1. Der Charakter der Parteien als "clientele-oriented systems" zwingt diese zu einer offenen, flexiblen und durchlässigen Struktur vor allem auf unterer Ebene mit weitgehender ideologischer Diversifikation; die Konsequenz dieser Struktur ist eine Beeinträchtigung der inneren Organisationsfähigkeit und der äußeren Handlungseffizienz.
2. Die Handlungsfähigkeit wird weiter reduziert durch die Möglichkeit und Häufigkeit innerparteilicher Konflikte, die durch die Konkurrenz verschiedener gesellschaftlicher Interessengruppen innerhalb der Parteien notwendigerweise entstehen.
3. Die innerparteiliche Machtstruktur ist nicht als Hierarchie oder Oligarchie, sondern als "Stratarchie"48 zu kennzeichnen, deren wesentliche Merkmale eine pluralistische, quantitative Machtverteilung, weitgehende Autonomie der einzelnen Führungsschichten, nur partielle Kontrollmöglichkeiten und gänzliches Fehlen effektiver Sanktionsmittel gegenüber den Mitgliedern, von deren Unterstützung sie umgekehrt abhängen, sind.
4. Die soziale Zusammensetzung der einzelnen Parteieliten ist heterogen, ihr Kohäsionsgrad relativ gering, zumindest aber labil, ein geschlossenes Kommunikationssystem ist nicht vorhanden, wechselnde Koalitionen verschiedener Partei- bzw. Interessengruppierungen verändern die Personal- und Machtstrukturen. Die Stabilität der gesamten Organisation kann sich somit nicht auf eine geschlossene, in sich homogene Führung stützen, sondern hängt von dem Austausch und der internen Erneuerung konkurrierender Parteieliten ab.


48 Eldersveld benutzt den Begriff der Stratarchie in Anlehnung an Harold Lasswell/Abraham Kaplan, Power and Society, New Haven 1950, S. 219-222
[Seite 19, Z. 17-39]

1. Versteht man die Partei als ein "clientele-oriented system" mit einer auf allen Ebenen offenen, beweglichen, durchlässigen Struktur, so ergibt sich ein erstes theoretisches Dilemma: Die Offenheit vor allem an der Basis, das Angewiesensein auf Unterstützung bedingt nach Eldersveld, daß die hieraus resultierende ideologische Diversifikation die innere Organisation und äußere Handlungseffizienz beeinträchtigt.64
2. […] Durch die notwendige Offenheit für möglichst viele gesellschaftliche Interessengruppen steigert sich die Möglichkeit des innerparteilichen Konflikts, der aufgrund des o. a. Angewiesenseins auf Einbringung von Interessen und auf Unterstützung der Partei toleriert werden muß […].65
3. Das dritte Problem bezieht sich auf die Machtstruktur der Parteien. Im Gegensatz zu der seit Michels weitgehend als gültig anerkannten These von den hierarchisch strukturierten Parteien verwendet Eldersveld für diese Struktur in Anlehnung an Lasswell/Kaplan66 den Begriff "Stratarchie". Kennzeichen der Stratarchie ist eine quantitative Machtverteilung und ein System der vertikalen gegenseitigen Rücksichtnahme. Begründet sieht Eldersveld dieses System im Angewiesensein der Führung auf freiwillige Unterstützung, im Fehlen effektiver Sanktionen und wiederum in der Heterogenität der Mitgliedschaft.67

[Seite 19, Z. 43-44]

4. […] Während man für die Parteien meistens einen geschlossenen Elitekader an-

[Seite 20, Z. 1-7]

nimmt, sieht Eldersveld eine Elite, die sich aus verschiedenen Berufsgruppen ("career classes") mit unterschiedlichen Kommunikationsnetzen und je verschiedenem Selbstverständnis zusammensetzt. Innerhalb der Elite gibt es eine starke Zirkulation und echte Personalerneuerungen. Die Stabilität der Partei beruht nicht auf dem geschlossenen Kader, sondern auf der durch Zirkulation beruhenden [sic] Erneuerung der "Karriereklassen". [Das Dilemma besteht in der Forderung nach Beweglichkeit und Statusprestige in einer Organisation mit ideologisch heterogener und auf Freiwilligkeit beruhender Mitgliedschaft.68]

[Seite 27, Z. 32-33]

66 Vgl. Harold Lasswell/Abraham Kaplan, Power and Society, New Haven 1950, 219-22.



Anmerkung
Fortsetzung von der Vorseite (siehe auch dort zur Adaption der Fußnoten 64, 65, 67 u. 68 Mühleisens). – Der Verfasser übernimmt – teilweise mit stärkeren Anpassungen – Ausführungen von Mühleisen über den Parteibegriff des US-Politologen Samuel J. Eldersveld. Zu den Fehlern:

– Der Begriff "clientele-oriented system(s)", der sowohl von Mühleisen als auch vom Verfasser als wörtliches Zitat verwandt wird, findet sich bei Eldersveld selbst nicht; bei diesem heißt es z.B. auf S. 5: "The party must first be understood as a clientele-oriented structure."

– Bei Lasswell / Kaplan finden sich zu dem Ausdruck "stratarchy" nur Ausführungen auf den Seiten 219 u. 220, auf den beiden folgenden hingegen nicht. Auch im Index am Ende des Buches von Lasswell / Kaplan werden zu diesem Stichwort nur diese beiden Seiten genannt. Und auch Eldersveld selbst verweist sowohl auf S. 9 als auch auf S. 99 für den Begriff "stratarchy" auf pp. 219-20 bei Lasswell / Kaplan, was dem Verfasser nicht bekannt zu sein scheint (denselben Hinweis bzgl. der Verwendung von "Stratarchie" durch Eldersveld gibt der Verfasser bereits auf Seite 8).

Angesichts der beiden übereinstimmenden Fehler stellt sich die Frage, ob dem Verfasser Eldersveld überhaupt vorliegt. Auch von Mühleisen eher ungewöhnlich übersetzte Begriffe bzw. Phrasen finden sich identisch beim Verfasser: So übersetzt Mühleisen "operational efficiency" mit "äußere Handlungseffizienz"; "ideological consensus [is] highly noncongruent" wird bei diesem zu "ideologische Diversifikation". – Auf Seite 32 findet sich ebenfalls eine Passage, die Zweifel bzgl. der originären Rezeption von Eldersveld nährt.