Seite 5

Typus
Bauernopfer
Quelle
Mühleisen 1973a
Dissertation:
Seite: 005, Zeilen: 01-09, 102-107, 110-114, 121-124
 
Fundstelle:
Seite(n): 015; 016; 023; 025; 026, Zeilen: 29-49; 01-02; 23-24; 51-55; 01-02, 05-06, 09-14
 
[Zum einen wird die Entwicklung der Parteien vornehmlich durch institutionelle Faktoren erklärt, im wesentlichen durch die Rahmenbe-]dingungen und Erfordernisse einer parlamentarischen Demokratie sowie die allmähliche Ausdehnung des Wahlrechts, die die Entstehung politischer Parteien wenn nicht beabsichtigen, so doch zumindest entscheidend begünstigen25. Andere Autoren sehen die Entwicklung von Parteien im komplexen Zusammenhang politischer, sozialer und ökonomischer Faktoren, wobei in der Regel von einer wechselseitigen Beeinflussung ausgegangen wird26. Schließlich ist noch ein theoretischer Ansatz zu nennen, der die Parteien geradezu als Produkt der jeweiligen gesellschaftlichen Umwelt betrachtet und ihre Entwicklung, Organisationsstruktur und Ideologie allein von diesen Umweltbedingungen her zu erklären versucht27.


25 […] Ernst-August Roloff, Demokratie ohne Parteien? Entwicklungstendenzen parlamentarischer Regierungsformen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung 'Das Parlament', B 45/65; Hans Daalder, Parties, Elites, and Political Development in Western Europe, in: Joseph LaPalombara/Myron Weiner, Political Parties and Political Development, Princeton 1966; Austin Ranney/Willmoore Kendall, Democracy and the American Party System, New York 1956. […]
26 insbesondere die jüngere amerikanische Parteienforschung weist monokausale Erklärungsversuche für die jeweiligen Parteiensysteme, etwa durch die Wahlsysteme, zurück: vgl. Seymour Martin Lipset, Party Systems and the Representation of Social Groups, in: Archive Européene de Sociologie, 1, 1960; LaPalombara/Weiner, The Origin and Development of Political Parties, in: dies., Political Parties and Political Development, a. a. O.; […]
27 der einzige nennenswerte Vertreter dieses Ansatzes ist Feliks Gross, Beginnings of Major Patterns of Political Parties, in: Politico, 30, 1965, S. 582-598. Sein bewußt überakzentuierter Ansatz versteht sich als Versuch, diesen sonst meist vernachlässigten Aspekt stärker ins Blickfeld zu rücken

[Seite 15, Z. 29-49]

Eine erste Gruppe sieht die Genese von Parteien vornehmlich durch die Bedingungen der parlamentarischen Demokratien und der institutionellen Entwicklung des Wahlrechtes begründet.39 Die Entstehung der Parteien wird hier oft zu einem nicht beabsichtigten, beinahe zwangsläufigen Nebeneffekt der Entstehung von Parlamenten.40 In der angelsächsischen Literatur wird die Entwicklung der politischen Parteien zwar auch im Zusammenhang mit der konstitutionellen und institutionellen Entwicklung gesehen, allerdings weniger in der Form der einseitigen Abhängigkeit als vielmehr in wechselseitiger […] Beeinflussung.41 Eine zweite Gruppe sieht die Genese von Parteien im Zusammenhang mit der gesamten politisch-sozialen Entwicklung,42 so daß z. B. das Wahlsystem nur einer unter zahlreichen anderen Faktoren wird, der diese Entwicklung mit beeinflußt.43 Auch hier ist nochmals zu unterscheiden zwischen Autoren, die […] und solchen, die Parteien sowohl als vom politisch-sozialen Prozeß abhängige wie auch als unabhängige, den "politischen, sozialen und ökonomischen Wandel" beeinflussende Variablen ansehen.45

Ein dritter in der Literatur allerdings weniger wichtiger Ansatz ist der Versuch, die Parteien als Produkt nur ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Umwelt anzusehen. Hierfür ist symptomatisch vor allem die Arbeit von Gross,46 dessen Grundthese es ist, daß Parteien nicht nur ihren formalorganisato-

[Seite 16, Z. 1-2]

rischen Aufbau, sondern auch ihre Ideologie und Verhaltensnormen an den sozioökonomischen Umweltverhältnissen orientieren.

[Seite 25, Z. 51-55]

40 Ernst-August Roloff, "Demokratie ohne Parteien? Entwicklungstendenzen parlamentarischer Regierungsformen", in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 45/65 (10. 11. 65), 6 f.
41 Vgl. z.B. Austin Ranney/Willmoore Kendall, Democracy and the American Party System, New York 1956, 111-113 oder Hans Daalder, "Par-

[Seite 26, Z. 1-2]

ties, Elites, and Political Development in Western Europe", in: La-Palombara [sic] /Weiner, Political Parties …, 59.

[Seite 23, Z. 23-24]

10 Joseph LaPalombara/Myron Weiner, Political Parties and Political Development, Princeton 1966; […].

[Seite 26, Z. 5-6]

43 Vgl. Seymour Martin Lipset, "Party Systems and the Representation of Social Groups", in: Archive Européenne de Sociologie, 1 (1960), 61.

[Seite 26, Z. 9-14]

45 La Palombara/Weiner, "The Origin and Development of Political Parties", in: dies., Political Parties …, 41 f.
46 Feliks Gross, "Beginnings of Major Patterns of Political Parties", in: Politico, 30 (1965), 582-98; Gross ist sich der Einseitigkeit seines Ansatzes bewußt, meint ihn aber aufgrund der sonstigen Vernachlässigung dieses Aspektes rechtfertigen zu können.



Anmerkung
Fortsetzung von der Vorseite. – Der Verfasser übernimmt abgewandelt einen längeren Abschnitt von Mühleisen mitsamt Literaturverweisen, macht dies aber nicht kenntlich. Zu den übernommenen Fehlern:

– Daalders Aufsatz liegt dem Verfasser offenbar nicht vor, da er – wie Mühleisen – einen inkorrekten Titel nennt, der richtig Parties, Elites, and Political Developments in Western Europe lautet.

– Ebenso ist fraglich, ob der Verfasser Gross' Aufsatz jemals gelesen hat, da er den Namen der italienischen politikwissenschaftlichen Zeitschrift Il Politico genauso ungenau wiedergibt wie Mühleisen. Die Einordnung des Aufsatzes übernimmt er von Mühleisen mit Anpassungen.

– Schließlich heißt die Zeitschrift, in der Lipsets Aufsatz – dessen Seitenintervall 50-85 weder der Verfasser noch seine Quelle nennen – erschien, richtig Archives européennes de Sociologie. Die Abhandlungen von Gross, Daalder und Lipset werden – außer im Literaturverzeichnis – nur an dieser Stelle erwähnt; Angaben zu den Seitenintervallen der Aufsätze von Daalder, LaPalombara / Weiner, Lipset und Roloff werden in der gesamten untersuchten Arbeit – wie in der Quelle – nicht gemacht, weshalb auch bei jenen der drei Letztgenannten unklar ist, ob der Verfasser sie gelesen hat.

Da Mühleisen (S. 16) im nächsten Absatz zitiert wird, Klassifizierung als Bauernopfer.
 

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