Seite 8

Typus
Bauernopfer / Verschleierung
Quelle
Köser 1973a / Mühleisen 1973a
Dissertation:
Seite: 008, Zeilen: 16-34, 102-110
 
Fundstelle:
Seite(n): 019; 027; 032; 033; 055; 058, Zeilen: 31-34; 32-33; 23-44; 01-05; 15-16, 40-41; 13-14
 
Henry Valen / Daniel Katz machen diesen Versuch auf lokaler Ebene, indem sie die fünf größten Parteien in einer norwegischen Stadt und drei ländlichen Gemeinden zum Zeitpunkt der Parlamentswahlen von 1957 untersuchen44; sie stellen weitgehend übereinstimmende Organisationsstrukturen, ähnlich organisierte innerparteiliche Aktivitäten und Entscheidungsprozesse sowie eine relativ große interne Homogenität fest, wobei ihnen die größere Aktivität der Mitglieder der Arbeiterpartei im Vergleich zu anderen Parteien besonders bemerkenswert erschien.

Wie Valen / Katz hat auch Samuel J. Eldersveld für seine Untersuchung der Demokratischen und der Republikanischen Partei in der Region Detroit während der Präsidentschaftswahlen 1956 umfangreiches Datenmaterial herangezogen und durch eigene Umfragen ergänzt45. Seine regional begrenzte Analyse kennzeichnet die amerikanischen Parteien als vergleichsweise lockere, offene und wenig formalisierte Organisationen, deren wichtigste Funktion in der Personalauswahl besteht46. Die allgemein anzutreffende starke Personalisierung amerikanischer Parteien läßt die Unterschiede zwischen den verschiedenen Organisationsebenen der Partei gewichtiger erscheinen als die zwischen den konkurrierenden Parteien47. Im Gegensatz zu Michels' Oligarchie-These stellt er die Machtstruktur in Anlehnung an Lasswell / Kaplan48 als "Stratarchie" dar49.

Die nationalen Parteiorganisationen der Konservativen und der Labour Party in England beschreibt Robert McKenzie50. In seiner vergleichenden Studie verbindet er die hi-[storische Entwicklung der beiden Parteien seit der Jahrhundertwende mit einer analytischen Darstellung ihrer durch parlamentarische Funktionen mehr noch als durch formale Organisationsstrukturen bedingten internen Machtverhältnisse51.]


44 Henry Valen/Daniel Katz, Political Parties in Norway, A Community Study, Oslo/London 1964
45 Samuel J. Eldersveld, Political Parties, a. a. O.
46 ebda, S. 4 ff
47 ebda, S. 532

48 Harold Lasswell/Abraham Kaplan, Power and Society, New Haven 1950, S. 219-222
49 Samuel J. Eldersveld, Political Parties, a. a. O., S. 98 ff
50 Robert T. McKenzie, British Political Parties, The Distribution of Power within the Conservative and Labour Party, 2. Auflage London 1964
[Köser 1973a, Seite 32, Z. 23-44]

Valen/Katz (29) und Eldersveld (7) begrenzen ihre Untersuchungseinheit auf den lokalen bzw. regionalen Bereich. Valen und Katz untersuchen die fünf größten Parteien in der norwegischen Stadt Stavanger und in drei ländlichen Gemeinden zum Zeitpunkt der Parlamentswahlen von 1957. Eldersveld vergleicht die Demokratische und die Republikanische Partei im amerikanischen Wayne County (Michigan) während der Präsidentschaftswahlen von 1956. Beide Studien basieren vom Datenmaterial her auf Teilen von umfassenden empirischen Wahlstudien, die durch eigene Umfrageerhebungen unter lokalen bzw. regionalen Parteiführern ergänzt wurden. Valen und Katz kommen zu dem Ergebnis […], d. h., alle parteiinternen Aktionen und Aktivitäten entfalten sich in einem vorgeschriebenen Rahmen; die Parteien werden weiter charakterisiert durch einen hohen Grad von interner Kohäsion und durch ein gemeinsames Organisationsmuster, das nur wenige Abweichungen zeigt: So unterscheidet sich die Arbeiterpartei auf lokaler Ebene von den anderen Parteien […] durch eine größere Aktivität der Parteimitglieder. Die amerikanischen Parteien sind, so Eldersveld, offene und personalisierte Systeme (7, S. 4 ff.), Instrumente zur Rekrutierung des politischen Personals. Unterschiede sind weniger zwischen den beiden

[Köser 1973a, Seite 33, Z. 1-5]

Parteien als vielmehr auf den verschiedenen Stufen der Organisation zu finden (7, S. 532). In Widerlegung der Michelsschen Hypothese von der Kontrolle der Partei durch eine einzige (oligarchische) Gruppe stellt Eldersveld ein Phänomen fest, das er "party stratarchy" nennt (7, S. 98 ff.).

[Mühleisen 1973a, Seite 19, Z. 31-34]

Im Gegensatz zu der seit Michels weitgehend als gültig anerkannten These von den hierarchisch strukturierten Parteien verwendet Eldersveld für diese Struktur in Anlehnung an Lasswell/Kaplan66 den Begriff "Stratarchie".

[Köser 1973a, Seite 33, Z. 9-17]

Als vergleichende Studie nationaler Parteiorganisationen sei hier McKenzie, British Political Parties (19), genannt. Der Autor geht historisch genetisch vor und beschreibt die Entwicklung der Organisation der Conservative und der Labour Party von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Er geht jedoch über die reine Beschreibung der Parteiverfassung hinaus, indem er die Frage der "Verteilung der Macht" innerhalb der beiden Parteien durch eine Analyse ihrer organisationsinternen und parlamentarischen Aktivitäten empirisch zu beantworten sucht.

[Köser 1973a, Literaturverzeichnis Seite 58, Z. 13-14]

(29) Valen, Henry/Katz, Daniel, Political Parties in Norway. A Community Study, Oslo/London 1964.

[Köser 1973a, Literaturverzeichnis Seite 55, Z. 15-16]

(7) Eldersveld, Samuel J., Political Parties. A Behavioral Analysis, Chicago 1964.

[Mühleisen 1973a, Seite 27, Z. 32-33]

66 Vgl. Harold Lasswell/Abraham Kaplan, Power and Society, New Haven 1950, 219-22.

[Köser 1973a, Literaturverzeichnis Seite 55, Z. 40-41]

(19) McKenzie, Robert T., British Political Parties. The Distribution of Power within the Conservative and Labour Party, 2. Aufl. London 1964.



Anmerkung
1. Zur Quelle Köser 1973a: Der Verfasser übernimmt mit Abweichungen Ausführungen vor allem von Köser zu Untersuchungen von Valen / Katz, Eldersveld und McKenzie, ohne Köser als Quelle zu benennen. Er gibt damit eine Rezeptionsleistung vor, die in Wirklichkeit ein anderer erbracht hat.

Darüber hinaus geben sowohl Köser als auch mit ihm der Verfasser für McKenzies Werk einen falschen Untertitel an, der richtig lautet: The Distribution of Power within the Conservative and Labour Parties. Ebenso unterschlagen beide, dass es sich bei der 2. Auflage 1964 um eine gegenüber dem Erstdruck der 2. Aufl. 1963 erweiterte handelt ("SECOND EDITION 1963", "REPRINTED WITH ADDITIONAL MATERIAL 1964"). Dies spricht zusammen genommen dafür, dass dem Verfasser McKenzie nicht vorliegt und er von Köser übernimmt.

Da Köser (S. 30 f.) vor den hier wiedergegeben Ausführungen auf der Seite oben zitiert wird, Wertung als Bauernopfer für diese Quelle.

2. Zur Quelle Mühleisen 1973a: Bei Lasswell / Kaplan finden sich zu dem Ausdruck "stratarchy" nur Ausführungen auf den Seiten 219 u. 220, auf den beiden folgenden hingegen nicht. Auch im Index am Ende des Buches von Lasswell / Kaplan werden zu diesem Stichwort nur diese beiden Seiten genannt. Der Verfasser übernimmt hier also offenbar von Mühleisen, ohne die Richtigkeit dessen Verweises zu prüfen. Und auch Eldersveld selbst verweist sowohl auf S. 9 als auch auf S. 99 für den Begriff "stratarchy" auf pp. 219-20 bei Lasswell / Kaplan, was dem Verfasser nicht bekannt zu sein scheint (denselben Hinweis bzgl. der Verwendung von "Stratarchie" durch Eldersveld gibt der Verfasser auf Seite 25).

Fortsetzung auf der nächsten Seite

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