Monatsarchiv: Juni 2013

Seite 46

Typus
Bauernopfer
Quelle
König 1958
Dissertation:
Seite: 046, Zeilen: 08-16, 102-105
 
Fundstelle:
Seite(n): 048; 129; 166; 174, Zeilen: 07-08; 01-17; 15-16; 21-23
 
Aus diesem Grunde ist gerade in bezug auf kommunale Integration die Unterscheidung zwischen physischer Nähe oder Ferne und "funktionaler Distanz"17 gemacht worden. Eine sozialpsychologische Untersuchung bürgerschaftlicher Aktivitäten in Stuttgart hat gezeigt, daß die Verfolgung verschiedenartiger Interessen die Bürger einer Gemeinde voneinander trennt und zugleich mit gleichinteressierten Bürgern anderer Gemeinden verbindet. Will man die Verfolgung gemeinsamer örtlicher Interessen als horizontale und die spezieller Interessen über die Gemeindegrenze hinaus als vertikale Orientierung bezeichnen, so ist eine deutliche Dominanz der vertikalen vor der horizontalen Integration festzustellen18.


17 siehe dazu Leon Festinger/Stanley Schachter und Kurt Back, Social Pressures in Informal Groups, New York 1950
18 Roland L. Warren, Eine sozialpsychologische Analyse der bürgerschaftlichen Tätigkeiten in Stuttgart, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie IX, Nr. 4, 1957, S. 619 ff
[Seite 48, Z. 7-8]

In diesem Sinne hat man von der rein physischen Nähe oder Ferne die 'funktionale Distanz' unterschieden.11

[Seite 129, Z. 1-17]

Ein gutes Beispiel […] bringt Roland L. Warren in seiner Untersuchung über die bürgerschaftlichen Tätigkeiten in der Stadt Stuttgart.47 Deutlich zeigt er, wie etwa die Verfolgung besonderer Interessen die Bürger einer Gemeinde mit gleichinteressierten Bürgern anderer Gemeinden verbindet; wie die Verfolgung besonderer Interessen die Bürger einer Gemeinde voneinander trennt […]; schließlich kann man von einer horizontalen oder vertikalen Orientierung sprechen, je nachdem das Verhalten der Bürger einer Gemeinde durch die besonderen Interessen, die sie voneinander trennen, oder durch die gemeinsamen örtlichen Interessen, die sie miteinander verbinden, bestimmt wird. […] Das Ergebnis seiner Untersuchung in Stuttgart brachte Warren zur Feststellung einer Überbetonung der vertikalen vor der horizontalen Integration.

[Seite 166, Z. 15-16]

11 Leon Festinger, Stanley Schachter and Kurt Back, Social Pressures in Informal Groups. New York 1950.

[Seite 174, Z. 21-23]

47 Roland L. Warren, Eine sozialpsychologische Analyse der bürgerschaftlichen Tätigkeiten in Stuttgart. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie IX, 4 (1957).



Anmerkung
Weder König noch der Verfasser nennen den Untertitel A Study of Human Factors in Housing der Untersuchung von Festinger et al. Auch verweisen beide nicht auf den Ort, an dem die angesprochene Frage bei diesen ausführlich diskutiert wird (S. 35 ff. bzw. das 3. Kapitel The Spatial Ecology of Group Formation). Es ist daher unklar, ob dem Verfasser das Werk vorliegt.

Weiterhin übernimmt der Verfasser eine komprimierte Zusammenfassung von Warrens Studie von König. Warren selbst spricht an keiner Stelle von horizontaler bzw. vertikaler Integration, sondern ausschließlich von Orientierung. Daher ist es zweifelhaft, ob dem Verfasser dessen Aufsatz vorliegt (s. hierzu auch Seite 51). Die bei König nicht angegebene Seitenanfangszahl von Warrens Aufsatz findet sich z.B. in der Quelle Oel 1972, S. 17.

Da König (S. 113) kurz zuvor zitiert wird, Wertung als Bauernopfer.
 

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König 1958

Angaben zur Quelle

Autor    René König
Titel    Grundformen der Gesellschaft: Die Gemeinde
Reihe    rowohlts deutsche enzyklopädie ; 79 : Sachgebiet Soziologie
Ort    Hamburg
Verlag    Rowohlt Taschenbuch
Jahr    1958
Umfang    200 S.

   
Literaturverz.    ja
Fußnoten    ja

Seite 51

Typus
Bauernopfer
Quelle
Oel 1972
Dissertation:
Seite: 051, Zeilen: 04-07
 
Fundstelle:
Seite(n): 173, Zeilen: 03-07
 
In diesem Zusammenhang ist nun zu berücksichtigen, was Roland Warren "vertikale Integration" genannt hat: interessengebundene oder durch Interessen ausgelöste soziale Aktivität lenkt die Aufmerksamkeit von örtlichen Sozialbindungen eher ab[35, eine Beobachtung, die inzwischen auch anderweitig bestätigt wurde: "Eine sozialaktive Haltung bringt den Befragten in der Regel die Bundesebene näher, obwohl ihnen in der Gemeinde sicher eher Chancen für eine öffentlichkeitsbezogene Tätigkeit offenstünden"36].


[35 Roland L. Warren, Eine sozialpsychologische Analyse der bürgerschaftlichen Tätigkeiten in Stuttgart, a. a. O.
36 Peter Oel, Die Gemeinde im Blickfeld ihrer Bürger, a. a. O., S. 172]
Entscheidend scheint sich hier auszuwirken, was Warren als vertikale Integration bezeichnet hat; interessengebundene oder durch Interessen ausgelöste Aktivität in Gemeinschaften und Verbänden lenkt überhaupt die Aufmerksamkeit von örtlichen Sozialbindungen ab.


Anmerkung
Der Verfasser übernimmt eine Aussage von Oel über Warren, ohne auf Oel zu verweisen. Zwar lässt sich diese aus Warrens Ausführungen auf S. 621 ableiten, aber im hier vorliegenden Wortlaut findet sie sich dort nicht. Der Verfasser eignet sich also eine Rezeptionsleistung Oels an. Das Moment der Täuschung über deren Autorschaft wird m.E. dadurch manifest, dass er bezüglich der gerade von Oel übernommenen Aussage davon spricht, dass Warrens Beobachtung auch "anderweitig", in diesem Falle aber: von Oel selbst, bestätigt worden sei.

Da der Verfasser wie Oel keine Seitenzahl bei Warren nennt (das a. a. O. bezieht sich nur auf Warrens Aufsatz allgemein), ist zudem unklar, ob ihm Warren überhaupt vorliegt. Dieser Zweifel wird dadurch erhärtet, dass Warren durchgängig von vertikaler Orientierung spricht und den vom Verfasser ausdrücklich als Zitat gekennzeichneten Begriff vertikale Integration überhaupt nicht benutzt (s. hierzu auch Seite 46).
 

Seite 100

Typus
Verschleierung
Quelle
Oel 1972
Dissertation:
Seite: 100, Zeilen: 21-22
Fundstelle:
Seite(n): 149, Zeilen: 12-13
Der "aktive Bürger" ist nach wie vor die schwächste Stelle in der Theorie und Praxis der Demokratie wie der Parteien. Der "aktive Bürger" ist die schwächste Stelle in der Theorie und in der Praxis der Demokratie.


Anmerkung
Der Verfasser ergänzt den Gedanken, auf den er anschließend noch weiter eingeht, verweist jedoch nicht auf seine Quelle. 

Oel 1972

Angaben zur Quelle

Autor    Peter Oel
Titel    Die Gemeinde im Blickfeld ihrer Bürger. Eine empirisch-soziologische Studie
Reihe    Schriftenreihe des Vereins für Kommunalwissenschaften e.V. Berlin ; 35
Ort    Stuttgart [u.a.]
Verlag    W. Kohlhammer
Jahr    1972
Umfang    177 S.

ISBN    3-17-140031-6

   
Literaturverz.    ja
Fußnoten    ja

Seite 48

Typus
Bauernopfer / Verschleierung
Quelle
Ziebill 1972 / Lintz 1973
Dissertation:
Seite: 048, Zeilen: 103-106, 115-119
 
Fundstelle:
Seite(n): 048; 083, Zeilen: 101-107; 27-32, 102-104
 

25 das Kommunalverfassungsrecht in der Bundesrepublik kennt zwar auch Ansätze und Elemente direkter Demokratie, die im politischen Leben aber kaum praktische Bedeutung gewonnen haben; vgl. dazu Alfred Ardelt, Erfahrungen mit Bürgerentscheid und Bürgerbegehren auf Grund von § 21 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg, phil. diss., Heidelberg 1960

[…]

27 […] sehr bemerkenswert ist auch die uneinheitliche Stellung des Bundesverfassungsgerichts zu diesem Fragenkomplex: in BVerfGE 2, S. 2 ff werden die kommunalen Entscheidungen als unpolitisch, weil verwaltungsmäßig bezeichnet[, politische Willensbildung imeigentlichen (sic) Sinne vollziehe sich nur auf Landes- und Bundesebene]; dagegen wird später im BVerfGE 7, S. 155 ff die Tätigkeit der Gemeindevertretungen als "echte politische Tätigkeit" gewertet

[Ziebill 1972, Seite 83, Z. 27-32]

Unser Kommunalverfassungsrecht kennt in Ansätzen auch Elemente direkter Demokratie. […] Wie die Erfahrung zeigt, ist dieses Rechtsinstitut jedoch praktisch ohne Bedeutung geblieben48.


[Ziebill 1972, Seite 83, Z. 102-104]

48 Vgl. hierzu Alfred Ardelt, Erfahrungen mit Bürgerentscheid und Bürgerbegehren auf Grund von § 21 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg, phil. Diss. Heidelberg 1960 […].

[Lintz 1973, Seite 48, Z. 101-107]

16 Das Bundesverfassungsgericht bezieht zu diesem Fragenkomplex keine einheitliche Stellung: In BVerfGE 2, S. 2 ff. (76), werden die kommunalen Entscheidungen als unpolitisch, lediglich verwaltungsmäßig bezeichnet […]. Im BVerfGE 7, S. 155 ff. (167) wertet das Gericht die Gemeindetätigkeit als "echte politische Tätigkeit".



Anmerkung
1. Zur Quelle Ziebill 1972: Der Verfasser übernimmt zwei Aussagen Ziebills mit einem Literaturverweis, ohne dies kenntlich zu machen. Da die Literaturangabe korrekt ist, könnte er Ardelts Dissertation theoretisch auch eingesehen haben; für die beiden nur etwas verändert übernommenen Aussagen wäre gleichwohl die Nennung Ziebills geboten gewesen. Ardelt wird – außer im Literaturverzeichnis – nur an dieser Stelle erwähnt.

In Fußnote 26 wird für ein wörtliches Zitat auf Ziebill (S. 81) verwiesen, daher Wertung als Bauernopfer für diese Quelle.

2. Zur Quelle Lintz 1973: Der Verfasser übernimmt von Lintz die Einordnung zweier Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, ohne auf diesen zu verweisen. Zwar ist die auf der linken Seite in eckige Klammern gesetze Ergänzung, die bei Lintz nicht vorkommt, korrekt; die Aussage, dass die kommunalen Entscheidungen unpolitisch, weil verwaltungsmäßig seien, findet sich in dem Urteil jedoch nicht. (Auch auf Seite 34 wird dieses Urteil inkorrekt zitiert.)  

Ziebill 1972

Angaben zur Quelle

Autor    Otto Ziebill
Titel    Politische Parteien und kommunale Selbstverwaltung
Reihe    Schriftenreihe des Vereins für Kommunalwissenschaften e.V. Berlin ; 7
Ort    Stuttgart [u.a.]
Verlag    W. Kohlhammer
Ausgabe    2. überarb. u. erw. Aufl.
Jahr    1972
Umfang    100 S.

ISBN    3-17-140011-1

   
Literaturverz.    ja (mit falschem Erscheinungsjahr 1971)
Fußnoten    ja (mit falschem Erscheinungsjahr 1971)

Seite 45

Typus
Bauernopfer
Quelle
Ostrom et al. 1972 / Grauhan 1972
Dissertation:
Seite: 045, Zeilen: 04-05, 105-107, 111-113
 
Fundstelle:
Seite(n): 105; 270, Zeilen: 26, 105-108; 02-04
 
[…] sondern die Bereitstellung öffentlicher Güter versteht12.


12 vgl. die Diskussion der "District boundaries and the Incidence of Benefits", in: Stephen C. Smith, Problems in the Use of the Public District for Ground Water Management. Land Economics, Bd 32, 1956, S. 259-269

[…]

14 diesen historischen Entwicklungs- und Wandlungsprozeß schildert Sigmar Gude, Der Bedeutungswandel der Stadt als politischer Einheit, in: Hermann Korte (Hrsg), Zur Politisierung der Stadtplanung, Düsseldorf 1971

[Ostrom et al. 1972, Seite 105, Z. 26]

[…] in dem ihre öffentlichen Güter bereitgestellt werden10 […].


[Ostrom et al. 1972, Seite 105, Z. 105-108]

10 Vgl. die Diskussion der "District boundaries and the Incidence of Benefits", in: Smith, Stephen C.: Problems in the Use of the Public District for Ground Water Mangement. Land Economics, Bd. 32 (Aug. 1956), S. 259 bis 269.

[Grauhan 1972, Quellenverzeichnis Seite 270, Z. 2-4]

Der Bedeutungswandel der Stadt als politischer Einheit. Von Sigmar Gude. Aus: Korte, Hermann (Hrsg.): Zur Politisierung der Stadtplanung. Düsseldorf, 1971 (Bertelsmann Universitätsverlag).



Anmerkung
1. Zur Quelle Ostrom et al. 1972: Der Verfasser übernimmt hier offenbar von Ostrom et al., ohne dass ihm der Aufsatz von Smith vorliegt: Im Original heißt dieser Problems in the Use of the Public District for Ground-Water Management. Zwar korrigiert der Verfasser den offensichtlichen Druckfehler Mangement, jedoch unterschlägt er wie in der Quelle den Bindestrich bei dem Kompositum zuvor. Vor allem weicht die explizit als Zitat gekennzeichnete Zwischenüberschrift The District Boundary and the Incidence of Benefit des Originals von Smith aber gleich in mehrfacher Hinsicht von der von Ostrom et al. und dem Verfasser identisch wiedergegebenen Version ab. Smith wird nur an dieser Stelle erwähnt.

2. Zur Quelle Grauhan 1972: Der Verfasser führt einen Aufsatz Gudes an, ohne, wie im wissenschaftlichen Schrifttum bei bibliografischen Angaben zu Beiträgen in Sammelbänden üblich (von Grauhan hier jedoch nicht praktiziert), dessen Seitenanfangs- und -endzahl zu nennen. Auch im Literaturverzeichnis finden sich diese nicht. Vermutlich liegt ihm der Sammelband Kortes also nicht vor. Unverständlich ist, warum er hier nicht Gudes Aufsatz nach dem Sammelband Grauhans zitiert, der dort ebenfalls abgedruckt ist. Da der Verfasser auf Seite 42 mit dem Aufsatz Longs ein ähnliches Vorgehen praktiziert, drängt sich der Eindruck auf, als wolle er den Eindruck der Rezeption einer möglichst großen Anzahl verschiedener Publikationen erwecken, während ihm in Wirklichkeit nur Grauhan vorliegt.

Grauhans Sammelband wird in Fußnote 13 für die Quelle Ostrom et al. 1972 erwähnt, daher Wertung als Bauernopfer für beide Quellen. 

Ostrom et al. 1972

Angaben zur Quelle

Autoren    Vincent Ostrom / Charles M. Tiebout / Robert Warren
Titel    Die politische Organisation in Stadtregionen
Sammlung    Großstadt-Politik. Texte zur Analyse und Kritik lokaler Demokratie
Herausgeber    Rolf-Richard Grauhan
Ort    Gütersloh
Verlag    Bertelsmann
Reihe    Bauwelt Fundamente. Herausgegeben von Ulrich Conrads ; 38
Jahr    1972
Seiten    97-121

ISBN    3-570-08638-0

   
Literaturverz.    ja
Fußnoten    ja

Seite 53

Typus
Bauernopfer
Quelle
Grauhan 1972
Dissertation:
Seite: 053, Zeilen: 111-112
 
Fundstelle:
Seite(n): 270, Zeilen: 32-35
 
[… verstehen andere ihre eigentliche Aufgabe gerade umgekehrt im "Kampf gegen die politischen und institutionellen Lebens- und Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraft im Spätkapitalismus"46.]


46 Heinz Grossmann (Hrsg), Bürgerinitiativen – Schritte zur Veränderung, Frankfurt 1971, Originaltitel: Bürgerinitiativen und Reproduktion der Arbeitskraft im Spätkapitalismus
[Quellenverzeichnis]

Zum politischen Stellenwert von Bürgerinitiativen. Von Claus Offe. Aus: Grossmann, Heinz (Hrsg.): Bürgerinitiativen – Schritte zur Veränderung? Frankfurt, 1971 (Fischer-Bücherei Bd. 1233). Originaltitel: Bürgerinitiativen und Reproduktion der Arbeitskraft im Spätkapitalismus.



Anmerkung
Der Verfasser möchte eine Aussage mithilfe eines Literaturtitels belegen. Allerdings liegt ihm das Buch, dessen Originaltitel er vermeintlich zitiert, offenbar gar nicht vor, denn bei dem zitierten Titel Bürgerinitiativen und Reproduktion der Arbeitskraft im Spätkapitalismus handelt es sich nicht etwa um den ursprünglichen von Grossmanns Buch, sondern um den von Offes Aufsatz, der ein Jahr später unter einem anderen Titel auch bei Grauhan abgedruckt wird. Grossmann wird ebenfalls auf Seite 52 in einem Literaturüberblick erwähnt.

Da Offe in der folgenden Fußnote zitiert wird, Wertung als Bauernopfer.